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Intervalle, ungerecht verteilt

Reformierte Kirche Köniz
Sonntag, 28. Mai 2017, 17.00 Uhr

Musik in mitteltöniger Stimmung

Dass die Musik im Mittelalter zu den mathematischen Wissenschaften gehörte, wird rasch klar, wenn man mit den nchwingungsverhältnissen der Töne zu rechnen beginnt. Das scheinbar einfache System von Tonleitern und Intervallen, wie wir es heute kennen, beruht nämlich auf einem Kompromiss zwischen verschiedenen Berechnungssystemen. Wenn, wie in moderner Klavierstimmung üblich, die Oktave in zwölf gleichstufige Halbtöne unterteilt wird, sind andere Intervalle gegenüber ihrer physikalisch einfachsten Proportion etwas verzerrt – die Quinte leicht zu eng, die grosse Terz deutlich zu gross.
Bis ins 17. Jahrhundert verwendete man Stimmungen, welche deutlich engere und dadurch reiner und milder klingende grosse Terzen verwendeten, so genannt «mitteltönige» Stimmungen. Das war nur um den Preis zu haben, dass nicht alle Tonarten verwendbar waren, weil andere Terzen dadurch viel zu gross wurden; die Obertasten von Cembalo bzw. Orgel konnten jeweils nur eine Bedeutung haben, also beispielsweise nicht sowohl cis wie des. Die Halbtonschritte in der Oktave werden ungleichmässig, was für «chromatische» Musik, die viel mit Halbtönen arbeitet, interessante Klänge erzeugt. Manchmal haben Komponisten gezielt Intervalle verwendet, die auf der mitteltönigen Stimmung eigentlich «verboten» wären. Diese besonderen Effekte sind natürlich auf modernen Stimmungen nicht mehr zu hören – darum wird das Cembalo in diesem Konzert mitteltönig gestimmt sein und neben besonders angenehmen Klängen dann und wann auch Schauriges von sich geben.

Mitwirkender

Andreas Marti, Cembalo

Programm

Dieterich Buxtehude (1637–1707):
    Toccata G-Dur
John Bull (1562/63–1628):
    The King’s Hunt
Jan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621):
    Toccata chromatica
Michelangelo Rossi (1602-1656):
    Toccata VII
Johann Kuhnau (660-1722):
    Biblische Sonate Nr. 1: Der von David vermittels der Music curirte Saul
Louis Couperin (ca. 1626–1661):
    Suite Nr. 12 in F-Dur
    Prélude – Allemande grave – Courante – Sarabande – Branle de Basque – Gigue – Chaconne