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Orgeln

Die zwei Kirchenräume des Kirchenkreises Mitte der reformierten Kirchgemeinde Köniz bieten optimale Voraussetzungen, um einen abwechslungsreichen Konzertbetrieb anzubieten, welcher bestmöglich auf die beiden Standorte verteilt wird.
Die verschiedene Konzeption der drei Orgeln, welche uns zur Verfügung stehen, ermöglicht die Ausführung unterschiedlichster Musik: In der reformierten Kirche Köniz steht ein ganz besonderes Instrument – die einzige Orgel in der Region Bern, die noch mehrheitlich mit den originalen Pfeifen aus dem 18. Jahrhundert klingt. Im Chorraum ebendieser Kirche steht eine Truhenorgel, welche kleineren Feiern im Chor sowie der Begleitung von Solisten, Ensembles und Chören dient. In der Thomaskirche Liebefeld schliesslich steht das grösste unserer Instrumente, welches in seiner Vielfältigkeit ein breiteres Repertoire ermöglicht.

Hier erfahren Sie mehr ĂĽber Geschichte und Disposition der gewĂĽnschten Orgel:

Bossart-Orgel

Geschichte

Der Erbauer der Könizer Orgel, Karl Josef Maria Bossart aus Baar, vertritt die dritte Generation der wohl bedeutendsten Schweizer Orgelbauer-Dynastie. Die Bossarts pflegten einen eher konservativen Orgelbaustil, mehr auf das Gewicht des Barock als auf die Eleganz des Rokoko bedacht, was sich auch in den ausladenden, kantigen Formen der Könizer Orgel zeigt. Vom ursprünglichen Instrument sind ein großer Teil der Pfeifen und das Gehäuse mit seinen überaus reichen Verzierungen erhalten geblieben, eine Tatsache, die mit dazu beiträgt, dass die Könizer Orgel als eines der wichtigsten Instrumente unserer Gegend gelten darf.

Restauration 1984-86

Bei der Restauration 1984-86 ging man davon aus, das noch erhaltene Pfeifenmaterial der Bossartorgel in möglichst ursprünglichem Zusammenhang wieder zu verwenden. Deshalb ist das Hauptwerk genau so disponiert, wie es 1781 war – die Disposition konnte erschlossen werden auf Grund der vorhandenen Pfeifen, von Spuren am Gehäuse und von vergleichbaren Bossartorgeln jener Zeit. Das ursprüngliche Instrument war einmanualig; mit Rücksicht auf vielseitige Spielmög lichkeiten erhielt die restaurierte Orgel (wie schon die Instrumente von 1927 und 1949) ein 2. Manual, dessen Pfeifen allerdings wegen der knappen Platzverhältnisse nicht in einem eigenen Gehäuse, sondern auf einer separaten Windlade im oberen Teil des Hauptwerk-Gehäuses aufgestellt sind.
Bei der Intonation, der genauen Regulierung von Klangstärke und Klangfarbe der einzelnen Register, dienten ebenfalls die noch vorhandenen Pfeifen und vor allem auch andere, in ursprünglicherem Zustand erhaltene Bossartorgeln als Ausgangspunkt.
Für die Farbgebung des Gehäuses konnte auf Farbspuren, die unter den späteren Schichten zum Vorschein kamen, zurückgegriffen werden. Durch das kontrastierende Blau und die frei stehende Aufstellung setzt die Orgel einen selbständigen Akzent im Innenraum der Kirche.

Besonderheiten

Zwei Besonderheiten der Disposition sind hervorzuheben. Das eine ist der Suavial 8' in den oberen Zwischenfeldern des Prospektes, der durch eine leichte Verstimmung gegenüber den andern Registern eine feine Schwebung des Tones erzeugt. In italienischen und süddeutschen Orgeln wurde ein solches Register speziell im Hinblick auf die Verwendung bei der "Elevation" in der Messe gebaut, also für jenen Moment, in dem der Priester die in den Leib Christi gewandelte Hostie hochhebt, damit sie für alle sichtbar wird. Neben diesem besonders "katholischen" Register gibt es aber auch ein besonders "reformiertes", nämlich das Cornet III im Hauptwerk, ein zusammengesetztes ober tonreiches Register, das nur in der oberen Hälfte der Klaviatur erklingt. Es wurde häufig in alten Berner Orgeln (aber auch etwa in den reformierten Niederlanden) gebaut, damit die Gemeinde beim Psalmengesang die Melodie gut heraushören konnte.
Die beiden Engel auf den Seitentürmen dienen nicht nur als Verzierung: Sobald das Windversorgungssystem gefüllt ist, heben sie ihre Trompeten zum Mund. Damit kann der Organist vom Spieltisch aus sehen, ob das Instrument spielbereit ist – in früheren Zeiten hätte er sonst den "Kalkanten", also den Blasebalgtreter hinter der Orgel aufwecken müssen...

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Disposition

I. Hauptwerk

*Principal 8'
* Copel 8'
* Octava 4'
* Hohlflaut 4'
* Quinta 2 2/3'
* Superoctava
Flageolet 2'
Larigot 1 1/3'
Tertia 1 3/5'
*Mixtur III
Cornet III (ab c')

II. Positiv

Bourdon 8'
Principal 4'
Flaut douce 4'
* Octava 2'
Nasard 2/3'
Sifflet 1'
Cimbel III
Fagott 8'

Pedal

Subbass 16'
* Octava 8'
Flaut 8'
* Octava 4'
Trompete 8'
Posaune 16'

* = Pfeifen ganz oder teilweise von K. J. M. Bosshart
Manualschiebekoppel, Pedalkoppeln als ZĂĽge, Tremulant auf das ganze Werk
Traktur und Registratur rein mechanisch

Wälti-Truhenorgel

Steckbrief

Erbaut wurde die Truhenorgel 2001 von Orgelbau Thomas Wälti, Gümligen BE. Mit Rücksicht auf die Größe des Kirchenraumes und die Klangstärke der Bossart-Hauptorgel erhielt die Truhenorgel eine kräftige Intonation, die den Raum sehr gut zu füllen vermag. Die Kombination beider 8'-Register ist besonders geeignet für eine tragende Klangstütze des Chores, die sich dennoch nicht in den Vordergrund drängt.
Durch verschiebbare Stecher ist das Instrument sowohl auf Normalstimmung (440 Hz) wie auch auf "historischer" Tiefstimmung (415 Hz) spielbar. Der Gebläsemotor ist eingebaut und das Instrument auf den eingebauten kleinen Rollen leicht verschiebbar.

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Disposition

Gedackt 8'
Gambe 8'
Flöte 4'
Quinte 2 2/3' (mit Halbzug fĂĽr den Diskant)
Octave 2'

Kuhn/Wälti-Orgel

Geschichte

Kurz nach der Fertigstellung der Kirche 1967 konnte auch die Orgel vollendet werden, errichtet durch Orgelbau Kuhn in Männedorf, konzipiert und intoniert durch den im Liebefeld ansässigen Gebietsvertreter dieser Firma, Max Mühlemann. Die Orgel fällt zunächst durch ihre architektonische Gestaltung auf. Einerseits nimmt sie die Formensprache des Kirchenraums in die Prospektgestaltung auf und ist optisch völlig in den modernen Raum integriert. Andererseits entspricht ihre eigene Architektur in vollkommener Weise dem klassischen «Werkprinzip», bei dem jedes Manual und das Pedal eigene Teilorgeln mit in sich logischem Klangaufbau darstellen. Im barocken Orgelbau vor allem Norddeutschlands sind diese Teilinstrumente von außen deutlich sichtbar. Bei der Orgel der Thomaskirche sind sie je in einem separaten Gehäuse untergebracht: Das Hauptwerk, vom zweiten Manual aus gespielt, direkt beim Spieltisch, das Schwellwerk in einem Gehäuse hinter dem Hauptwerk, das Pedalwerk seitlich und Rückpositiv in die Emporenbrüstung eingebaut, im Rücken des Organisten. Damit verbinden sich in bemerkenswerter Weise konsequenter Traditionsbezug und ebenso konsequente moderne Gestaltung.

Klangkonzeption und Registeraufbau

In der klanglichen Konzeption und im Registeraufbau steht die Orgel der Thomaskirche zwischen den letzten Ausläufern der «Reformorgel», wie sie durch die Orgelbewegung seit etwa 1920 geprägt war, und der seither erfolgten konsequenteren stilistischen Profilschärfung, hier im damals aktuellen neobarocken Sinn. Die drei Manualwerke mit zusammen 45 Registern stehen für je unterschiedliche stilistische Akzente.
Das Hauptwerk ist noch stark von der Orgelreform geprägt und enthält darum nur die Standardgrundstimmen, dazu allerdings als Referenz an den Barock zwei Mixturen, ein Prinzipalzungenregister und das zusammengesetzte Cornett, diese beiden besonders im Hinblick auf den französischen Barock. Das Rückpositiv mit seinen vielen hochliegenden Registern vertritt ein helles und durchsichtiges barockes Klangideal, wie es gegen 1970 vorherrschend wurde; farbige Zungenregister verweisen auf norddeutsche Vorbilder. Das Schwellwerk nähert sich vor allem mit seinen charakteristischen Zungenregistern der französischen Romantik an, ohne allerdings seinen Hintergrund in der Orgelbewegung und im Neobarock völlig verleugnen zu können. Das ganze dreifache Orgelwerk ruht klanglich auf einem reich disponierten kräftigen Pedalwerk, dies eine Referenz an alte niederländische und norddeutsche Gestaltungsprinzipien.
Ganz der handwerklichen Orgelbautradition verpflichtet ist die mechanische Traktur, die einen direkten Kontakt zwischen Taste und Pfeife herstellt und so eine subtile Beeinflussung des Klangs durch die Spielweise erlaubt. Die Registersteuerung dagegen erfolgt elektrisch; die Vorwahlvorrichtung mit Hilfe von Relaisschaltungen, der «Setzer», begann nach 40 Jahren Betriebszeit Altersschwächen zu zeigen, so dass er im Rahmen der Gesamtrevision von 2013 durch ein elektronisches Vorwahlsystem mit praktisch unbegrenzten Speichermöglichkeiten ersetzt wurde.

Gesamtrevision 2013

Diese Gesamtrevision lag in den Händen von Orgelbauer Thomas Wälti, Gümligen, und seinem Team, vor allem Intonateur Jean-Marc Pittet. Zusätzlich zur periodisch erforderlichen Reinigung und Wartung konnten einige Anpassungen in der Intonation und auch in der Disposition vorgenommen werden. Im Schwellwerk wurde die allzu barocke hohe Zimbel durch ein Register «Voix céleste» ersetzt. Dieses Register, das vor allem in der französischen Romantik häufig eingesetzt wird, erzeugt durch eine leichte Verstimmung eine Schwebung im Klang. Eines der drei 16-Fuß- (d.h. Unteroktav-) Register im Pedal wurde um eine Quinte verschoben. Zusammen mit einem 16-Fuß-Register erzeugt es auf akustischem Wege die doppelte Unteroktave (32-Fuß), was dem Orgelklang Größe und Raum verleiht. Schließlich erhielt das Rückpositiv – wie vorher schon das Schwellwerk – einen Tremulanten, damit auch barocke Solostimmen mit diesem Sondereffekt versehen werden können. Mit diesen Maßnahmen hat sich das klangliche und stilistische Spektrum der Thomas-Orgel nochmals ausgeweitet und erlaubt die Wiedergabe eines großen Teils der gesamten Orgelliteratur verschiedener Epochen und Stilbereiche.

Man hat Instrumente dieses Typs gelegentlich als «Kompromissorgeln» bezeichnet, mit einem abschätzigen Unterton. Verglichen mit Orgeln der 1950er und frühen 1960er Jahre ist hier aber der Schritt zu einer stärkeren klanglichen Profilierung der einzelnen Register bereits getan worden, so dass an Stelle des «Kompromisses» guten Gewissens die «Vielseitigkeit» gesetzt werden kann.

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Disposition

I. RĂĽckpositiv

Gedacktpommer 16'
Principal 8'
Rohrflöte 8'
Octave 4'
Hohlflöte 4'
Octave 2'
Mixtur 1 1/3'
Scharf 1'
Zinke 8'
Cornett 8'

II. Hauptwerk

Gedackt 8'
Quintatön 8'
Principal 4'
Rohrflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Octave 2'
Terz 1 3/5'
Larigot 1 1/3'
Mixtur 2/3'
Rankett 16'
Krummhorn 8'
Schalmei 4'
Tremolo

III. Schwellwerk

Holzprinzipal 8'
Koppelflöte 8'
Salicional 8'
Voix céleste 8'
Octave 4'
Gedacktflöte 4'
Nasat 2 2/3'
Flageolet 2'
Fourniture 2'
Trompette harmonique 8'
Oboe 8'
Clairon 4'
Tremolo

Pedal

Principalbass 16'
Offen Subbass 16'
Quintbass 10 2/3'
Principal 8'
Spitzflöte 8'
Octave 4'
Rohrflöte 4'
Mixtur 2 2/3'
Posaune 16'
Trompete 8'
Trompete 4'

Normalkoppeln: RP-HW, SW-HW, RP-Ped, SW-Ped, HW-Ped
Jalousieschweller SW, Registercrescendo, elektronische Setzeranlage

© Musik in den reformierten Kirchen Köniz und Liebefeld.